Stadtflucht wegen Immobilienkauf – ein neuer Trend?

15 Jan
Stadtflucht wegen Immobilienkauf: Dieser Trend hält seit 2014 unvermindert an. Immer mehr verlassen die Stadt, um sich den Traum der eigenen Immobilie zu erfüllen. (Foto: pexels.com)

In den Metropolen steigen Immobilien- und Mietpreise immer weiter, so dass sich Durschnittsverdiener und junge Familien das Leben in der Stadt immer weniger leisten können. Die Konsequenz: man zieht vermehrt in das Umland. Aktuelle Untersuchungen bestätigen diesen Trend. Nicht nur die Speckgürtel im Nahbereich der Metropolen werden mehr nachgefragt. Inzwischen werden auch Entfernungen bis zu 100 Kilometer zu der nächsten metropole akzeptiert, um so wohnen zu können, wie man es sich vorstellt. Was die ländlichen Hotspots: Infrastruktur und Verkehrsanbindung müssen passen. So sagt es eine Studie des Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) von 2017. Und auch die vom Markforschungsinstitut Empirica von Anfang 2019 untermauern den Trend: eine zunehmende Nachfrage nach Ein- und Zweifamilienhäusern in der Provinz.

Stadtflucht wegen Immobilienkauf – Metropolen verlieren Einwohner.

Dieser Trend begann bereits 2014. Seither ziehen immer mehr Menschen aus den sieben größten deutschen Städten weg und suchten eine Bleibe im Umland oder in der Provinz. Der Zuzug aus der Provinz in die Städte kann das nicht kompensieren. Dass die Einwohnerzahlen Münchens, Hamburgs oder Berlins trotzdem weiter erhöhen, liegt einzig am Zuzug von Ausländern. Inländer jedoch ziehen vermehrt in die sogenannt ländlichen Regionen. Kein Wunder, denn ein gebrauchtes Einfamilienhaus in München kann schnell eine Million kosten. Dafür kann man in strukturschwachen Regionen Bayerns 4-5 Einfamilienhäuser kaufen oder ca. 3 neu bauen.

Die 2019er Studie besagt, dass nur noch in ganz wenigen Landkreisen Deutschlands zu viele Eigenheime gebaut werden. Insgesamt zeigt die Studie, dass die Nachfrage nach Immobilien im ländlichen Raum seit 2014 wieder zunimmt, ohne dass daraus negative Folgen resultieren.

Die Mittelschicht weicht aus. Bevorzugt in Regionen, die neben Lebensqualität eine schnelle Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes in der Stadt ermöglichen und zudem über eine familienadäquate Infrastruktur verfügen. Besonders im letzteres kümmern sich heute viele Gemeinden und kleinere Städte.

Inzwischen haben auch Politik und Stadtplaner erkannt, dass dieser Trend negative Einflüsse auf die Metropolenentwicklung nimmt und versuchen mit Konzepten zur Verdichtung mehr städtischen Wohnraum zu schaffen.

Aber auch das Umland ist mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Die Organisation der Pendlerströme, der Aufbau entsprechender Infrastrukturen – vom Kindergarten über die Schule, entsprechende Dienstleistungsangebote, seniorengerechtes Wohnen, aber auch die Neunsiedlung von Betrieben.

Viele Gemeinden haben inzwischen ihre Hausaufgaben gemacht. Deswegen werden die Aussichten für die Stadtflucht wegen Immobilienkauf auch immer besser. Neue Bauflächen werden ausgewiesen, innerstädtische oder -dörfliche Bereiche an die neuen Wohnstandards angepasst und kräftig in die Infrastruktur investiert. So schafft man attraktive Wohnumfelder für die „Stadtflüchigen”.

Baufinanzierung in den deutschen Regionen – inzwischen wieder einfacher.

Längst haben sich auch Baufinanzierer auf diesen Trend eingestellt. War es vor ein paar Jahren teilweise noch schwierig, eine Finanzierung zu erhalten, werden heute die Anfragen gerne unterstützt. Natürlich spielt bei einer Finanzierung auch die zukünftige Wertentwicklung der Immobilie eine Rolle. Wer nicht gerade in absoluten Randlagen mit überdurchschnittlichem Demographie-Problem eine Immobilie mit einer 80 prozentiigen oder höheren Beleihung finanzieren möchte, wird von den Bankinstituten mit offenen Armen empfangen.

Bei allen Vorteilen, die eine Stadtflucht wegen Immobilienerwerb bietet, sollte man aber trotzdem genau überlegen und genau kalkulieren.

Auch eine Immobilie, die nur halb so teuer wie in der Großstadt sein, kann unter dem Strich teuerer sein:

  • Deswegen sollte man sich im Vorfeld immer mit den regional üblichen Immobilienpreisen befassen, um ein Gefühl für die regionale Preispolitik zu bekommen.
  • Auch sollte man nicht unterschätzen, dass höhere Transportkosten oder ein zweites Auto das Famiienbudget belasten können.
  • Und drittens sollte man sich versichern, dass im Umfeld Menschen leben, mit denen man gerne zusammenleben möchte. Gerade im ländlichen Raum ist der persönliche Kontakt alltäglich. Ein Leben in Anonymität wird in funktierenden Dörfern und Gemeinden nicht möglich sein.

Aktuell kann man ein spezifisches Wanderungsverhalten feststellen. Junge Erwachsene kaufen gerne Immobilien in kleineren Universitätsstädten und mittelgroßen Städten um die 100.000 Einwohner. Auch bleibt man der Region treu. So zieht der Frankfurter eher nach Darmstadt als nach Mainz. Der Berliner lieber nach Leipzig als nach Fürth. Und der Hamburger nach Lübeck oder Hannover.

Ältere Mitglieder der Mittelschicht zieht es an die Küste oder ins Alpenvorland, junge Familien am liebsten in Regionen, die über schnelle Verbindungen in die großen Städte verfügen. Diese Wanderungsbewegungen haben zur Folge, dass inzwischen auch in besonders gesuchten Regionen die Immobilienpreise steigen.

Stadtflucht wegen Immobilienkauf – ein anhaltender Trend.

Dieser Trend erinnert an die Entwicklung in den 1970er Jahren. Man wollte raus aus der Enge der Stadt und seine eigenen Immobilienträume – am besten mit einem Neubau – realisieren. Der eigene Grund und Boden am Land dar damals sogar Statussymbol.

Heute hat der Immobilienerwerb am Land neben kostentechnischen durchaus auch lebenspraktische Vorteile.

Aufgrund günstiger Kauf- und Lebenshaltungskosten ist ein Immobilienerwerb in einer mit guter Infrastruktur ausgestatteter Region eine empfehlenswerte Maßnahme für den Vermögensaufbau und der Alterssicherung. Klein- und Mittelstädte etablieren zudem vermehrt seniorengerechte Angebote. Die Kommunalpolitik weiss, dass dies ein Invest in die Zukunft ist, um die eigene Region für kaufkräftige Senioren attraktiv zu machen. Immobilienkäufer profitieren dann in späteren Jahren von diesen Maßnahmen.

Die Stadtflucht wegen Immobilienkauf in umliegende Regionen im Einzugsgebiet größerer Städte ab 250.000 Einwohner ist in vollem Gange. Die Folge: die Immobilienpreise werden steigen. Das wiederum ist vorteilhaft für alle, die in nächster Zeit in diesen eher ländlichen Regionen eine Immobilie erwerben bzw. neu bauen. ADurch diesen vermehrten Zuzug werden diese Regionen zukünftig noch attraktiver. Wiederum positiv für den Wertzuwachs dieser kürzlich erworbenen Immobilien.

Sie überlegen, aus der Stadt wegzuziehen, um auf dem Land eine Immobilie zu erwerben?

Informieren Sie sich jetzt bei einem bankenunabhängigen Baufinanzierungsberater, welche Eckpunkte der Finanzierung zu beachten sind und ob die Region, die Sie im Blick haben, von kreditgebenden Finanzierungsinstituten positiv eingeschätzt wird. Davon ist unter anderem abhängig, zu welchen Zinssatz Sie Ihre Baufinanzierung erhalten und wie viel Eigenkapital benötigt wird. Städtische Programme wie `Jung kauft Alt`, die zum Beispiel ein Altbaugutachten finanzieren, das für mehr Sicherheit beim Erwerb sorgt, sollten auch im ländlichen Raum Schule machen; denn oft ist auch hier eine Bestandsimmobilie einem Neubau vorzuziehen, dessen Erichtungspreise ebenfalls weiter steigen werden.

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